Die Geschichte des Mosaiks ... ein kleiner Einblick in eine fast vergessene Kunst 

Das Wort „Mosaik" stammt von „Musa" ab, benannt nach den neun Musen der griechischen Mythologie, den Töchtern des Zeus, Beschützerinnen der Wissenschaften und der Künste. Ebenso ist es mit dem lateinischen Substantiv „Musaeum" verwandt, welches „Musentempel" bedeutet und den Künsten gewidmet ist. Mosaik ist somit eine weit zurückreichende, edle Bezeichnung für eine besondere Kunstform mit antiken Ursprüngen.

 

Das Mosaik ist eine antike Dekorationstechnik, die schon zur Zeit der Griechen und Römer sehr beliebt war. Man erzielt sie durch das Zusammensetzen von kleinen Stückchen von verschiedenartigem Material, zu Bildern und Ornamenten. Mosaiksteine sind Würfel oder Plättchen mit 1-2 cm Kantenlänge. Sie werden aus farbigem Naturstein, glasiertem oder gefärbtem Ton, bunten Glasflüssen oder Glas (Smalten) mit aufgeschmolzener Goldfolie gefertigt. Nach einer Vorzeichnung werden die Mosaiksteine dicht in ein feuchtes Mörtelbett gesetzt, verfugt und gegebenenfalls glattgeschliffen. Bei neueren Techniken wird das Mosaik auf Gitternetze oder spiegelverkehrt auf Papier oder Folie aufgeklebt und anschließend in seiner Gesamtheit in das Mörtelbett eingebracht.
 
Der nun folgende Einblick in die Mosaikkunst stellt, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, einige Episoden in deren Entwicklung dar:
 
Die Entstehung der Mosaiktechnik wird aufgrund eines in Gordion, in Kleinasien gefundenen Fußbodenmosaiks, von den Archäologen auf das 8. Jh. v. Chr. datiert. Dieses und andere in Gordion entdeckte Mosaiken wurden mit Kieselsteinen ausgeführt, eine Technik die noch heute in den Kieselsteinmosaiken der griechischen Inseln weiterlebt. 

 

Diese Art der Mosaiken erreicht Ende des 2. / Anfang des 3. Jh. v. Chr. ein unerwartetes qualitatives Niveau. Die Kieselsteine werden farblich so sortiert, daß Farbkontraste sowie feine Licht- und Schattenabstufungen entstehen, die den Figuren Volumen geben. 


Fußbodenmosaik eines Lagerhauses in Kenchreai / Korinth (Griechenland)


Die Konturen der Figuren werden durch schmale, in den Putz eingelegte Bleistege unterstrichen. Die Mosaiken sind in reich geschmückte Rahmen mit dazu passenden Motiven der Mythologie eingebunden. Am Ende des 3. Jh. v. Chr. geht man im Zuge der Oberflächenglättung zu einer gemischten Technik über, indem man zwischen die Kieselsteine bereits geglättete Steine einfügt, um dann letztendlich zur Verwendung von geschliffenen Steinen zu gelangen. 


Ab dem 1 Jh. v. Chr. wird das Mosaik nicht mehr nur als Luxusgegenstand angesehen, sondern auch als Fußbodenbelag in gewöhnlichen Häusern beliebt und daher oft von anonymen Arbeitern ausgeführt. Berühmten Künstlern hingegen bleibt das Vorrecht ihr „Emblem", ein Mosaik mit ihrer Signatur, in die Gesamtdekoration einzufügen. 

 

Das zweifarbige, schwarz-weiße Mosaik wird immer populärer und man beginnt, dieses auch zur Dekoration von Nischen, Gewölben, Säulen und Brunnen zu verwenden. Die Mehrfarbigkeit bleibt der Mosaikkunst jedoch nach wie vor erhalten. Im 2. Jh. wird der Begriff des „asaroton" geprägt. Darunter versteht man ein Mosaik, das einen weißen, ungefegten Fußboden (so der Sinn der griechischen Bezeichnung), auf dem die Überreste eines reichen Mahls verstreut liegen darstellt. Etwa im 4 Jh. beginnt der frühchristliche Kunststil, der die typischen Thematiken der christlichen Religion bearbeitet. Vom stilistischen Gesichtspunkt aus, ist dies eine Entwicklung vom naturalistischen Stil der spätrömischen Kunst zu den byzantinischen Kunstformen, die zu Abstraktion und Stereotypie neigen. So stellt sich die byzantinische Kunst eher transzendent, zeitlos und ohne reale Raumverhältnisse dar. Das Mosaik besteht aus ebenen und geschliffenen Steinen, wobei durch unterschiedliches Neigen der Steine und verschieden große Zwischenräume irreale Lichteffekte erzeugt werden.

 

Detail aus „Das letzte Abendmahl", Gewölbemosaik zwischen Hauptkuppel und
linkem Querhaus, 12 Jh., Venedig - Markusdom

 

Der Hintergrund verliert an Bedeutung in der Gestaltung der Szenen und die Figuren nehmen vordergründigere Posen ein. Die Entwicklung vom frühchristlichen bis zum byzantinischen Stil kann in Ravenna, Italien durchlebt werden. So ist das Mausoleum „Galla Placidia" (erste Hälfte des 5. Jh.) mit der Plastizität der Figuren und dem räumlichen Naturalismus noch voll an die römische Tradition gebunden. Diese Charakteristiken werden immer schwächer und sind letztendlich in der Basilika San Apollinare Nuovo (erste Hälfte des 6. Jh.) komplett verschwunden. In diesem neuen Mosaikstil dominieren die Farben pur und es wird auf Schattierungen verzichtet, jedoch die Farbe und der Glanz des Mosaiks voll ausgenutzt. Jegliche Plastizität geht verloren und die reine Planimetrie hält Einzug in die Mosaikkunst. Die Figuren befinden sich in derselben Ebene wie der goldene Hintergrund und ihre Wiederholung suggeriert Zeitlosigkeit. 


Als Meisterwerke eben dieser Stilrichtung werden die Ravenner Mosaiken der Basiliken San Apollinare in Classe und San Vitale (zweite Hälfte des 6. Jh.) angesehen, ebenso die der „Hagia Sofia" in Istanbul, eines der größten je realisierten Mosaikwerke, oder die im 13. Jh. fertiggestellten Mosaikzyklen des Markusdoms in Venedig. 

 

Ab dem 12. Jh. geht es mit der byzantinischen Kunst bergab und die Mosaiktechnik wird von schneller ausführbaren Wandfresken abgelöst, bleibt jedoch als Bodenbelag weiterhin beliebt. Jahrhundertelang wird das Mosaik somit von Fresken begleitet und verschwindet im 14. Jh. fast durch den enormen Aufschwung der Fresken und der Tafelmalerei. 


So werden seit der Antike in der Architektur immer Mosaiken verwendet, aber ab dem 15. Jh. schmücken sie fast ausschließlich horizontale Flächen. Abgesehen von Fußbodenmosaiken entstehen nach der Renaissance kaum noch Wandmosaiken, so daß diese Technik bis zum Beginn des 19. Jh. fast vergessen wird. Gegen Mitte des 19. Jh. kehrt das Mosaik jedoch aus der völligen Vergessenheit in das allgemeine Bewußtsein zurück. Hierbei steht jedoch nicht das künstlerische Schaffen neuer Mosaiken im Vordergrund, sondern die Wiederbelebung einer fast verloren gegangenen Kunsttechnik. 


Das Interesse besteht hauptsächlich in der Reproduktion von Fresken und Tafelgemälden, um diese vor der Vergänglichkeit zu bewahren. Die dabei entstehenden Mosaiken sollen wie gewöhnliche Gemälde wirken. Die Steine werden sehr nahe aneinandergefügt und abschließend geschliffen. 


Die Rückbesinnung auf das eigentliche Mosaik erfolgt neben der aufkommenden Mode der historischen Architektur unter anderem auch durch die Gründung der vatikanischen Mosaikwerkstatt. 


Nach dem Vorbild Roms gründet das South Kensington Museum in London Mitte des 19. Jh. eine Mosaikwerkstatt. Zar Nikolaus I gründet, angeregt durch die Entdeckung byzantinischer Mosaiken in der Sophienkirche in Kiew, in Rom eine Mosaizistenschule die später nach Petersburg verlagert wird. Weitere Mosaikschulen und Künstlerkolonien werden in Paris, Wien, Darmstadt und Venedig gegründet. Während die Pariser Mosaizisten es trotz zahlreicher neuer Bewegungen in Europa (Art Nouveau, Art Déco, Jugendstil, Sezession) schaffen, ihre begonnenen Arbeiten stilistisch treu durchzuführen, arbeiten die Darmstädter Künstler im Stil der Wiener Rezession. Die venezianischen Mosaiken von 1920 wiederum sind Zeugnisse des, bis zur Pariser Ausstellung 1925, bestimmenden Stils der Art Déco. Etwa zur selben Zeit (1922-1925) entwickelt sich in Mailand, unter technischen Gesichtspunkten gesehen, eine neue Stilrichtung in der Mosaikkunst. Angiolo D´Andrea verwendet für die Herstellung seiner Mosaiken nicht mehr quadratische Steine, sondern solche, die in Form und Größe seinen Anforderungen entsprechend unterschiedlich sind.


Am Anfang des 20. Jh. wurden in Spilimbergo und Ravenna Mosaikschulen nach vatikanischem und venezianischem Vorbild gegründet. Ihr Ziel ist es, die antike Mosaikkunst von Venedig, Aquileia und Ravenna neu aufleben zu lassen und die Tradition weltweiter Mosaiklieferanten wiederzubeleben. Diese Mosaikschulen und Werkstätten sind ebenso wie die im Vatikan und in Venedig bis heute noch in Betrieb.


Unterbrochen von zwei Weltkriegen versuchen die Künstler und Mosaizisten nach dem Waffenstillstand 1945 an die Aktivitäten und Studien der Vorkriegszeit anzuknüpfen. Es ist jedoch ein illusorisches Unterfangen, das trotz beharrlichen Bemühungen zu keinen neuen Ergebnissen führt und schließlich aufgegeben wird. Überlebt haben lediglich Kunststile wie Liberty und ähnliche Bewegungen, die sogenannten dekadenten Stile, die Avantguard, welche historische Begriffe für ihre Kunst verwendet, wie Dadaismus, Kubismus und Futurismus. Der Versuch mit einer „neoklassischen" Richtung an die historischen Stile anzuknüpfen scheitert und das Mosaik wird fortan eher von kubistischen und futuristischen Einflüssen geprägt. Durch all die Jahre und Stilrichtungen hindurch ist das Mosaik durch seine Grundelemente: Steine, Farben und Zwischenräume, gemeinsam mit den historischen Kenntnissen über seinen Werdegang und der praktischen Erfahrung der Künstler eine eigenständige Kunstform geblieben. 
 
Grundsätzlich jedoch kann die Mosaiktechnik nach der Art der Mosaikausführung in zwei Bereiche eingeteilt werden: 
 
Konturmosaik 
Bei dieser Mosaiktechnik werden die Konturen der Figuren durch die geometrisch freie Anordnung der Steine in der Ebene erzeugt. Die Motive werden streng und klar abgegrenzt. Das Auffüllen der entstehenden Zwischenräume erfolgt entweder den Konturen entsprechend oder in einem geometrischen Raster. Diese Art der Verlegung begleitet uns seit der Entstehung der musivischen Kunstrichtung und soll hier anhand eines Mosaiks aus der Kirche Hagia Sophia in Istanbul verdeutlicht werden. Es handelt sich um einen Ausschnitt der Lunette über dem Südwestportal, in welcher Kaiser Justinian der Madonna die Kirche Hagia Sophia präsentiert, während Konstantin die Stadt die seinen Namen trägt der Gottesmutter darbietet. 
 
Rastermosaik 
Bei dieser Art der Mosaikfertigung werden alle Mosaiksteine in einem strengen Raster verlegt. Die Konturen der Motive sind nicht so klar abzugrenzen wie beim Konturmosaik. Es wird mehr mit Schattenwirkungen und Farbverläufen gearbeitet. Grundvoraussetzungen dieser Technik sind Steine gleicher Größe und Qualität. Die Verlegung kann entweder manuell oder maschinell erfolgen. 

 

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